Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts waren Kleider ein Luxus-Gut. Die Menschen waren froh, wenn sie gute kleidung hatten und vielleicht noch etwas Nettes für sonntags. Schaut einmal in den Kleiderschrank im Schlafzimmer des alten Bauernhauses. Dann seht Ihr, wie bescheiden die Garderobe damals war. Man ging sehr sparsam mit den Kleidungsstücken um, sie worden beigearbeitet und getragen bis sie echt verschlissen waren. Und selbst dann wurden sie noch als Putztuch verwendet, nicht wurde einfach weggeworfen. Die Kleidung wurde auf Maß gemacht, durch eine Näherin oder einen Schneider. Ein Näherin brauchte fast eine ganze Woche, um ein Kleid zu machen. Meist hatten Sie keine Nähmaschine, alle Nähte mussten von Hand gemacht werden.
Welch ein Unterschied zur heutigen schnellen Mode-Zeit. In vielen Geschäften hängen alle 6 Wochen neue Kollektionen. Es gibt ein reichliches Angebot. Oft werden solchen Kleidungsstücke nur einmal getragen. Die Qualität ist oftmals miserabel, fast immer zu schlecht, um noch etwas nützliches damit zu machen. Die Kleidung ist so günstig, dass sich das Anpassen und Umschneidern nicht mehr lohnt. Die meisten jungen Menschen beherrschen nicht mehr die Techniken um ein Kleidungsstück anzupassen oder umzuändern. Manche können noch nicht einmal einen Knopf annähen. Mutter oder Oma kann das oft noch. So wird die Kleidung oft weggeworfen und was einfach was neues gekauft.
Diese Mentalität einer Wegwerf-Gesellschaft dürfen wir nicht weiter behalten. Seit dem Jahr 2000 ist der Verbrauch an Kleidung nahezu verdoppelt. Im Mittel wird ein Kleidungsstück nur 7 mal getragen.Millionen von Kleidungsstücken werden vernichtet, auch teurere Kleidung von besserer Qualität. Viele Markenhersteller wollen nicht, das exklusive Kleidung irgendwo als Angebot verhökert wird. Ein anderer Teil unserer aussortierten Kleidung wird weiterverkauft an Sortier-Betriebe in Asien und Afrika und landen dann schließlich auf irgendwelchen Marktständen. Unser Über-Verbrauch an Kleidung hat Folgen für die Umwelt und spielt der Ausbeutung von Menschen, die die Kleidung herstellen müssen, in die Hand.
Die Umweltverschmutzung beginnt mit den enormen Mengen an Dünger und Pestiziden die beim Anbau von Baumwolle gebraucht werden und der Abholzung von Wäldern zur Herstellung von Viskose. Für die Verarbeitung werden, man braucht nur an Färben und Bleichen zu denken, ist viel Wasser und Energie nötig. Nach der Öl-Produktion ist die Kleidungs-Industrie die am meisten umweltschädliche, dir wir zurzeit auf der Welt haben.
Neben der Umweltverschmutzung spielt die Ausbeutung von Menschen bei der Herstellung der Kleider eine erhebliche Rolle. Die Produktion erfolgt oftmals unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen. Die Arbeiter haben lange Arbeitstage, einen kargen Lohn und oft gibt es auch Kinderarbeit. Der größte Teil der Kleidung wird in Billig-Lohn-Ländern unter schlechten Arbeitsbedingungen in Sweatshops genannten großen Fabriken hergestellt.
Zum Glück ist heutzutage ein Prozess des Umdenkens im Gange. Wiederverwendung wird normal. Vintage ist in!
Über Vinted.de kann man Kleidung online verkaufen. Es gibt Geschäfte, wo man Kleidung leihen kann. Grüne Mode, bei der die Belastung der Umwelt beschränkt bleibt, anstelle von schneller Mode. Recycling, wobei die alte Kleidung durch einen Schredder geht und für Produktion von Papier oder neuen Fasern verwendet wird.
Am Ende müssen wir noch dafür sorgen, dass die Menschen, die die Kleidung herstellen, einen angemessenen Lohn für Ihre Arbeit erhalten, dass heißt sie müssen von dem Geld, dass sie in den sogenanntes Ateliers bekommen, genug zu essen kaufen können, ein Dach über dem Kopf haben und ihren Kindern eine Schulausbildung ermöglichen können. Langsam wächst bei uns das Bewusstsein, dass es nicht um mehr, mehr und mehr geht, sondern wir die Verantwortung übernehmen müssen für unsere Mitmenschen und Nachkommen. Wir müssen verstehen lernen, welches Leid sich hinter den Preisen der Billigprodukten verbirgt. Wir müssen nachhaltige Entscheidungen treffen und Überkonsum einschränken, wir müssen „faire“ Kleidung kaufen.
Im Textil-Pavillion des Museumsdorfes de Locht zeigen wir Kleidung, die während der Jahre an das Museum übergeben wurde. Zum Glück gab es Menschen, die das besondere an diesen Kleidungsstücken erkannt haben.
Wir sind froh, dass die Kleidung erhalten geblieben ist und wir diese nun austellen können. Ein Dank gilt Amalia van de Lisdonk,die bis vor kurzem unsere Konservatorin für die Textilien war. Ihr umfassenden Kenntnisse und ihr großer Einsatz spielten eine große Rolle beim Entstehen unserer musealen Textilsammlung.
Marlé de Laat
